Physiologische Hintergründe und gesundheitliche Auswirkungen im Vergleich
Das Fasten im Monat Ramadan gehört zu den zentralen Säulen des Islam und wird weltweit von Millionen Menschen praktiziert. Eine Besonderheit, die oft Fragen aufwirft – insbesondere im Vergleich zu westlichen Formen des Heilfastens –, ist der vollständige Verzicht auf Wasser während der Fastenzeit von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang.1 In diesem Artikel beleuchten wir die theologischen Hintergründe, die physiologischen Reaktionen des Körpers auf den Flüssigkeitsentzug und stellen die Praxis dem klassischen Wasserfasten gegenüber.
Theologische Begründung: Warum ist Wasser untersagt?
Im Gegensatz zum medizinischen Heilfasten, bei dem die körperliche Regeneration im Vordergrund steht, ist das Ramadan-Fasten (Sawm) primär ein Akt der spirituellen Hingabe und Disziplin.1
- Prüfung der Standhaftigkeit (Taqwa): Der Verzicht auf Wasser wird als die ultimative Herausforderung der Selbstbeherrschung angesehen. Während das Hungergefühl bei längerer Abstinenz oft nachlässt, bleibt der Durst ein konstanter physischer Mahner.1
- Empathie und Demut: Durch den bewussten Entzug lebensnotwendiger Ressourcen soll der Gläubige Mitgefühl für Menschen entwickeln, die unter chronischem Hunger und Wassermangel leiden.2
- Gottesfurcht: Ziel ist die Erlangung von Rechtschaffenheit und die Besinnung auf das Wesentliche, indem man sich von körperlichen Bedürfnissen löst.2
Es ist wichtig zu beachten, dass der Islam ausdrücklich Ausnahmen vorsieht: Kranke, Reisende, Kinder, ältere Menschen sowie schwangere oder stillende Frauen sind vom Fasten befreit, wenn ihre Gesundheit gefährdet wäre.
Physiologische Auswirkungen: Was passiert im Körper?
Wenn der Körper über 12 bis 18 Stunden keine Flüssigkeit erhält, setzt eine Kette von Anpassungsreaktionen ein.
Hydratation und Nierenfunktion
Da keine Flüssigkeit zugeführt wird, konzentrieren die Nieren den Urin maximal, um Wasser zu sparen.13 Dies führt zu einem Anstieg von Stoffen wie Kreatinin und Harnstoff im Blut.6 Bei gesunden Menschen ist dies in der Regel unproblematisch, da der Körper die Defizite in der Nacht ausgleicht. Allerdings steigt bei entsprechender Veranlagung oder extremer Hitze das Risiko für Nierensteine, da Mineralien in der hohen Konzentration leichter kristallisieren können.
Blut und Herz-Kreislauf
Durch den Wassermangel kann das Blut geringfügig „dicker“ werden (höhere Viskosität), was den Blutdruck leicht senken kann.13 Mögliche Folgen sind Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen, die besonders am Nachmittag auftreten.
Die Rolle des „metabolischen Wassers“
Ein interessanter Aspekt ist die Theorie der endogenen Wasserproduktion. Wenn der Körper während des Fastens Fettzellen zur Energiegewinnung oxidiert, entsteht als Nebenprodukt chemisch gebundenes Wasser – aus 100 Gramm Fett können etwa 110 Gramm Wasser gewonnen werden. Dies hilft dem Organismus, die Fastenzeit physiologisch zu überstehen.8
Autophagie: Trockenfasten vs. Wasserfasten
In der Gesundheitswissenschaft wird häufig über die Autophagie diskutiert – den zellulären Reinigungsprozess, bei dem beschädigte Zellbestandteile abgebaut werden.
- Theorie der Beschleunigung: Einige Quellen behaupten, dass Trockenfasten die Autophagie deutlich schneller auslöse als Wasserfasten (manchmal ist von einer Verdreifachung der Geschwindigkeit die Rede), da der Stress für die Zelle durch den Wassermangel massiv erhöht wird.
- Wissenschaftliche Einordnung: Während Tierstudien zeigen, dass Nährstoffentzug die Autophagie fördert, ist die Datenlage beim Menschen – speziell zum Vergleich von Trocken- und Wasserfasten – noch nicht ausreichend gefestigt.
- Wasserfasten (z.B. nach Buchinger): Hier ist die Zufuhr von Wasser und Tees essenziell, um Stoffwechselendprodukte auszuspülen und die Nieren zu entlasten. Es gilt klinisch als sicherer für längere Zeiträume.
| Merkmal | Ramadan (Intermittierendes Trockenfasten) | Heilfasten (z.B. Buchinger) |
| Flüssigkeit | Verboten von Sonnenauf- bis -untergang 2 | Erlaubt und notwendig (Wasser, Tee, Brühe) 10 |
| Dauer | 29–30 Tage (intermittierend) 3 | Meist 5–21 Tage (kontinuierlich) 11 |
| Autophagie | Vermutlich schnellere Aktivierung durch Stress | Kontinuierliche Aktivierung durch Kaloriendefizit |
| Ziel | Spiritualität & Disziplin 1 | Gesundheit & Entgiftung 12 |
Gesundheitliche Risiken und Vorsichtsmaßnahmen
Obwohl gesundes Fasten für fitte Erwachsene als sicher gilt, gibt es klare Risikogruppen:
- Chronisch Kranke: Menschen mit Typ-1-Diabetes oder fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung (CKD) wird vom Fasten oft abgeraten, da das Risiko für Unterzuckerung oder akutes Nierenversagen steigt.
- Kinder und Senioren: Bei Kindern steht das Wachstum im Vordergrund; Flüssigkeitsmangel kann hier die Konzentration und Entwicklung beeinträchtigen. Bei älteren Menschen steigt die Sturzgefahr durch Dehydrierung und Blutdruckabfall.
- Schwerstarbeit: Bei körperlich anstrengenden Berufen in der Sonne ist die Gefahr eines Hitzschlags oder Kreislaufkollapses bei vollständigem Wasserverzicht signifikant erhöht.
Fazit des Autors
Das Trockenfasten im Ramadan ist eine tief in der Tradition verwurzelte Praxis, die den Körper vor spezifische physiologische Herausforderungen stellt. Während der Körper über beeindruckende Anpassungsmechanismen wie die metabolische Wasserproduktion verfügt, ist die Belastung für die Nieren und den Kreislauf nicht von der Hand zu weisen.
Der entscheidende Unterschied zum klassischen Heilfasten liegt im Ziel: Wo die eine Methode das Wasser als Werkzeug zur Reinigung nutzt, verwendet die andere den Verzicht auf Wasser als Werkzeug zur inneren Stärkung. Für eine gesunde Umsetzung ist es essenziell, die nächtlichen Stunden zur intensiven Rehydrierung zu nutzen und bei gesundheitlichen Einschränkungen den Rat eines Arztes einzuholen.
Ich bevorzuge das Interval-Fasten und bin nun sogar auf ein Sardinen-Fasten gestossen das ich mit einem Live Bericht hier im Blog dann durchtesten möchte.
Jeder Mensch sollte für sich herausfinden dürfen welches Fasten für ihn gut ist oder nicht. Das Fasten an sich eine gute Sache ist und 1-2 Mal im Jahr sehr nützlich ist, steht fest.
Mit fastenden Grüßen
Euer Krischan
Referenzen:
- Islamischer Theologe erklärt den Ramadan in Deutschland | DOMRADIO.DE, Zugriff am Februar 21, 2026, https://www.domradio.de/artikel/islamischer-theologe-erklaert-den-ramadan-deutschland
- Why No Water While Fasting? | About Islam, Zugriff am Februar 21, 2026, https://aboutislam.net/counseling/ask-about-islam/no-water-fasting/
- Virtues of Ramadan – Islam Question & Answer, Zugriff am Februar 21, 2026, https://islamqa.info/en/answers/13480
- Gemeinsamkeiten und Unterschiede beim christlichen und muslimischen Fasten, Zugriff am Februar 21, 2026, https://www.domradio.de/artikel/kein-fasten-la-carte-gemeinsamkeiten-und-unterschiede-beim-christlichen-und-muslimischen
- Where does it say that fasting during Ramadan includes water? : r/progressive_islam, Zugriff am Februar 21, 2026, https://www.reddit.com/r/progressive_islam/comments/194zmp3/where_does_it_say_that_fasting_during_ramadan/
- Effect of Ramadan fasting on renal physiology – MedCrave online, Zugriff am Februar 21, 2026, http://medcraveonline.com/UNOAJ/UNOAJ-01-00017.php
- Impact of Fasting during Ramadan on Renal Functions in Patients with Chronic Kidney Disease – PMC, Zugriff am Februar 21, 2026, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9267091/
- Dry Fasting: Benefits, Risks, and How It Works – Perfect Keto, Zugriff am Februar 21, 2026, https://perfectketo.com/dry-fasting/
- Fasten im Ramadan: Ist der Wassermangel immer ungesund? – Revue der Religionen, Zugriff am Februar 21, 2026, https://www.revuederreligionen.de/fasten-im-ramadan-ist-der-wassermangel-ungesund/
- Fastenarten – Welche ist die Richtige für mich? bio-apo.com Ratgeber, Zugriff am Februar 21, 2026, https://www.bio-apo.com/ratgeber/abnehmen/fastenarten/
- Fastenarten im Überblick – DAK-Gesundheit, Zugriff am Februar 21, 2026, https://www.dak.de/dak/gesundheit/essen-trinken/abnehmen/fastenarten-im-ueberblick_135780
- 6 Fasten-Methoden im Check – Ernährung – Fitness First, Zugriff am Februar 21, 2026, https://www.fitnessfirst.de/magazin/ernaehrung/wissen/fasten-methoden
- Zugriff am Januar 1, 1970, https://www.aok.de/pk/magazin/ernaehrung/ernaehrungsformen/ramadan-fasten-mit-diesen-tipps-fasten-sie-gesund/
